Das Telekommunikationssystem in Bolivien

 
 




Festnetz
Mobilfunk (Handy)
Internet
 
 

Achtung: Alle Telefonnummern in Bolivien wurden am 20. Oktober 2001 auf sieben Zahlen umgestellt.

Das hier gesagte gilt nur für die Ballungszentren und ihre weitere Umgebung! Die kleinen Dörfer oder Haziendas irgendwo weit ausserhalb haben als Kommunikationsmittel nur Kurzwellenfunk oder in einzelnen Fällen Satellitentelefon.


Festnetz

Am 28. November 2001 wurde der Telefonmarkt liberalisiert. Seither muss man sich seinen Anbieter, ähnlich wie in Deutschland, selbst auswählen.
Besonders positiv: Die Anbieter haben 3 Jahre Zeit, dann müssen sie in jedem Ort mit mindestens 350 Einwohnern präsent sein. Rosienen picken geht also nicht.

Die Einrichtungsgebühr für einen Festnetzanschluß kostete bis zur der Liberalisierung 1300 US $. Die Hälfte war sofort fällig, der Rest in Monatsraten zu $ 10.
Damit war man und ist immer noch Eigentümer der Linie und kann sie auch weiterverkaufen (für ca. 700 - 800 $), nur für den Normalbürger ist das fast unbezahlbar. Soviel verdient ein gewöhnlicher Arbeiter nicht einmal in einem Jahr!
Seit Monopolende werden die Linien nun von einigen Anbietern auch kostenfrei (mit Grundgebühr) angeboten.

Vor Monopolende gab es zwei Anbieter:

Entel (durfte landesweit nur Ferngespräche abwickeln) und z.B. für Sta. Cruz
Cotas (durfte nur Ortsgespräche vermitteln)

Ortsgespräche haben keinen Zeittakt. An öffentlichen Münzfernsprechern kosten sie 1 Boli. Bei den öffentlichen "Fernsprechkabinen" handelt es sich nicht um Münzfernsprecher. Bei ihnen ist die Providervorwahl nicht möglich, sie ist fest auf den Eigentümer (Cotatas oder Entel) eingestellt. Zu ihrer Benutzung sind spezielle Telefonkarten erforderlich. Diese werden aber überall verkauft, z.B. vom fliegenden Händler direkt neben der Zelle.
Viele Geschäfte bieten aber echte Münzfernsprecher (Telefono publico). Von diesen kann man meist nur Ortsgespräche führen.

Zur Lieberalisierung sind die Preise deutlich gesunken. Das Gespräch nach Europa kostet jetzt ungefähr einen Dollar die Minute. Von weiteren Reduktionen ist auszugehen.

Internettelefonie wird an vielen Stellen in Sta. Cruz angeboten und ist jetzt legal. Das Gespräch kostet etwa 1 Bs. pro Minute.

Das Online-Telefonbuch von Cotas (spanische Bedienoberfläche) liefert alle Nummern für den Bereich Sta. Cruz.


Mobiltelefon

Das  Handy heisst hier Celular. Derzeit findet eine Umstellung auf den GSM 1900 Standart statt. VIVA (736-01), Roamingpartner von Vodafone (D 2), bietet ausschliesslich GSM,
Entel
(736-02),
Roamingpartner von T-Mobil (D 1), O2 und E 2, derzeit sowohl das alte amerikanische TDMA, wie auch GSM 1900 an. Sobald in allen derzeit versorgten TDMA-Gebieten auch GSM verfügbar ist, wird TDMA abgeschaltet. Als Termin gilt derzeit Ende 2005 für die komplette Umstellung auf GSM 1900.
Telecel hat derzeit nur das alte System im Angebot und kämpft mit günstigen Handyangeboten um Kunden.

Der Markt ist hart umkämpft, wie folgende Zeitungsmeldung bestätigt:
Nuevatel hat Telecel bei Sittel (= Telefonbehörde) angezeigt, weil Telecel angeblich die Preise erhöht hat, ohne die Benutzer ausreichend zu informieren

Seit 14. Juni 2002 ist auch Cotas (Vorwahl 0709) in den Handy-Markt eingestiegen. Dies geschiet unter Nutzung der Hardware von Nuevatel (=Viva). Angeboten werden Festverträge und ab Ende Juli auch Prepaid-Karten. Ein nationales Roaming wird angeboten. Preise habe ich noch keine gefunden.

Die Vorwahl 071 und 077 (alt 01) ist alter Standart, 070 und 072 (alt 07) ist GSM.

Ein europäisches Modell funktioniert nur, wenn es GSM 1900 (amerikanisches GSM) unterstützt, also alle Geräte mit der Bezeichnung Triband. Im alten System funktionieren die Geräte des anderen Systems übrigens nicht, auch wenn die Geräte gleich aussehen (Nokia 5110 bzw. Nokia 5120).

Die Netzabdeckung beschränkt sich momentan auf die Ballungszentren. Am Ausbau wird aber kräftig gearbeitet, wobei vor allem Entel sein Netz stark ausweitet, Viva verbessert vorrangig die Versorgung in den bereits abgedeckten Gebieten.

Der Netzausbau (Stand 02.01.2004) von VIVA in Sta. Cruz umfasst die gesamte Stadt, sowie den Bereich bis einschl. Pailon. Entel GSM (Stand 02.01.2004) deckt vorwiegend den Innenstadtbereich ab, hat aber auch dort Aussetzer. Nachdem die Minutenpreise von VIVA ausserdem günstiger sind, als die von Entel, ist zumindest für Sta. Cruz VIVA vorzuziehen.

Entel und VIVA bieten die vorbezahlte GSM-Karte (wie z.B. CallYa in Deutschland) incl. 50 Bs Guthaben zu 80 Bs an. Die Karten sind sofort einsatzbereit, man muß aber u.U. ein Anmeldeformular ausfüllen (Daten werden nicht! überprüft). Es kann aber sehr viel Überzeugungsarbeit kosten, bis so ein Mitarbeiter eines Telefonladens akzeptiert, dass das europäische Triband-Handy auch mit der bolivianischen Karte, genannt Chip, arbeitet.

Mehr als 40% der Bevölkerung in den versorgten Gebieten hat ein Handy. Im Gegensatz zu Europa hat die hohe Verbreitung einen rein finanziellen Hintergrund. So ein Celular kostet einmalig ab $ 25 inklusive Rufnummer, Luxusmodelle auch erheblich mehr.
Die vorbezahlte Karte (für GSM oder TDMA) dazu ab 35 Boli. Die Gesprächsminute wird derzeit von 8 Uhr bis 20 Uhr ab 1,35 Boli (etwa 20 Cent), in der übrigen Zeit und am Wochenende ab 1,60 Boli (25 Cent) abgerechnet.

In wie weit sich das Monopolende des Festnetzes im Mobilfunkmarkt bemerkbar macht ist nicht abzusehen. Derzeit kosten internationale Ferngespräche vom Handy und vom Festnetz aus gleich viel.


Internet


Eines von unzähligen Internetcafe's Internet ist auch in Bolivien ein Thema. Zumindest in den gebildeten Kreisen ist die Benutzung durchaus üblich, macht im Endeffekt aber doch nur ca. 1% der Bevölkerung aus. Es ist eine kostengünstige Alternative zur Kommunikation mit den Verwandten im Ausland. Ein Brief ins Ausland kostet etwa soviel wie zwei Stunden Internetcafe! Die Telefongesellschaften bieten in Ihren Räumen zum Teil sogar kostenfreien Zugang zum Internet.

Seit neuestem bietet Cotas auch ADSL an, aber anders als in Europa nur 128 KBps down- und 64 KBps Up-stream.

Internetcafe's sind recht verbreitet, man findet sie in allen grösseren Städten. Die Preise sind sehr günstig (ab 2,50 Bs die Stunde) und die Datenraten bei ADSL-Anbindung sehr gut, bei Analog-Anbindung kann es schon mal bis noch erträglich gehen. Vielfach wird auch telefonieren über Internet angeboten.
Wer der spanischen Sprache nicht mächtig ist, muss ggf. in den Internetcafe's etwas suchen, bis er einen Rechner  in englischer Sprache findet. Einen Rechner mit deutscher Oberfläche habe ich noch nicht gefunden.

Wer sein Notebook mitbringt, sollte sich schon mal folgende Einstellung speichern:

Rufnummer    900 33 1 900 = Cotas (nur für Sta. Cruz)
Benutzer        irgendwas
Passwort        nichts
Kosten           0,80 US$/Stunde, von 01- 07 Uhr 0,40 $, Abrechnung im Minutentakt (Stand Dezember 2003).

Damit kann man sich z.B. vom Hotel aus direkt ins Internet einwählen. Ob dies auch ausserhalb von Sta. Cruz geht kann ich nicht sagen. Die Übertragungsraten erlauben sogar problemlos Internettelefonie.

Achtung: Unbedingt den Hotelier nach den Preisen fragen, die er verlangt! Manche sind ziemlich unverschämt bei den Telefongebühren.

 

Eine andere Möglichkeit, die ich bevorzuge, man nimmt sein Notebook ins Internet-Cafe mit. Wenn ein kompetenter Mitarbeiter im Laden ist, kann man sein eigenes Notebook direkt ins Netz hängen.
 
 

Stand 02.01.2004