Cabañas

 
 

Wo bis 1983 der botanische Garten war, befinden sich nun überdachte Unterstände und Hütten, cabañas genannt, am Ufer des Rio Piraí.
Der botanische Garten fiel einem extremen Hochwasser zum Opfer. Ersatz wurde an der alten Landstraße nach Cochabamba geschaffen, auf halbem Weg zwischen Santa Cruz und Cotoca. Der neue botanische Garten wurde Anfang September 2002 eröffnet, fast 20 Jahre nach dem Verlust des alten Parks.
Weiterere Parks gibt es in der Innenstadt. Dort sind die neu gepflanzten Bäume aber je nach Park noch recht klein und geben keinen Schatten.

Vor allem am Wochenende oder an Feiertagen sind die Cabañas der Treffpunkt in der Stadt. Vom Pferdefuhrwerk bis zum mobilen Radiosender ist alles vertreten. Man zeigt sich und will gesehen werden, präsentiert das neue Kleid oder das gerade gekaufte Auto und führt dabei die Leistungsfähigkeit der eingebauten Stereoanlage vor. Mehrere Verleiher bieten ATM's an. Wer's sich leisten kann dreht mit der neuen Freundin eine Runde oder geht mit ihr in eine der Cabañas essen, vor allem einheimische Spezialitäten, wie z.B. das abgebildete Gürteltier. Das schmeckt übrigens fast wie Hühnchen.
Leute mit empfindlichem Magen, oder solche die zu Durchfall neigen, sollten auf die Genüsse der Küchen verzichten. Die Hygienestandards der Cabañas sind nicht mit denen europäischer Open-Air-Küchen zu vergleichen. Wenn Sie aber nicht zu dieser bedauernswerten Gruppe gehören: Zugreifen und probieren. Es lohnt sich!

Der Platz wird oft auch als Paradies der "boracheros" (Säufer) bezeichnet und auch die Prostitution soll hier nichts unbekanntes sein.
Im Moment versuchen die "Wirte" der Hütten das arg ramponierte Image der Cabañas wieder aufzumöbeln. Es werden landestypische Musiktage und Wetbewerbe mit den Spiele der Region veranstalltet, um insbesondere die Touristen und Auswärtigen wiederzugewinnen. Auch an der Verbesserung des gesamten Ambientes und der Infrastruktur wird gearbeitet. Es soll wieder ein Platz zum Feiern und wohlfühlen werden.

Im anschließenden Fluß wird geplanscht, den das Wasser ist normalerweise nur einige Zentimeter tief. Dies kann sich aber auch ändern: Nach einem starken Gewitter im November 2001 betrug der Wasserstand z.B. 3,80 Meter.
Falls das Auto eine Wäsche oder einen Ölwechsel braucht, kann man das hier auch erledigen. Der Rio Piraí liefert das Wasser und nimmt den Dreck mit. Umweltschutz? So ein neumodisches Zeug kennen wir hier nicht!

Diese Phänomen habe ich eigentlich fast überall angetroffen. Es fehlt das Wissen um den durch diese Handlungen angerichteten Schaden. Andererseits ist das Land relativ sauber. Die mir ansonsten aus der dritten Welt bekannten Müllkippen an allen Ecken und Enden findet man hier nicht. Es scheint so, als ob es wirklich nur ein Problem von Bildung und Sesibilisierung für Umweltfragen ist.
Jemandem zu erklären, daß, was er nicht mehr sieht, immer noch gefährlich ist, wird sicher nicht einfach. Aber wenn die internationalen Hilfsorganisationen in so ein Projekt mal einige Millionen investieren würden, wäre der Umwelt sicher mehr gedient als mit sündteueren Maschienen, die ein Einheimischer weder versteht noch verwenden kann.

Am Wochenende werden auf den einzelnen Sandbäncken Verkaufsstände aufgebaut. Hier bekommt man dann Essen und Trinken. Wer's bequemer haben will, wartet einfach etwas, dann kommt der fliegende Händler mit Eis oder Getränken oder auch einer Kleinigkeit zu essen vorbei.
Auch der Raucher wird bestens bedient. Wem eine ganze Schachtel zu viel oder zu teuer ist, der bekommt die Zigaretten selbstverständlich auch einzeln.

Dann gibt es noch die neuen Spielsachen die man vorführen muß! Den Geländewagen, mit dem man eine Runde durch den Fluß fahren kann, oder noch besser das ATM (all terain vehicle), eine Kreuzung zwischen allradgetriebenem Gartentraktor und Motorrad.
 

Wer kein Auto und auch keinen Freund mit Fahrzeug hat, kann sich auch von Bus oder Taxi her- oder nach Hause bringen lassen.
 
 

Stand 03.12.2003