Allgemeine Hinweise zu Bolivien

 

Der Leitsatz eines jeden bolivianischen Geschäftsmannes:

Ein Gringo (Ausländer) hat Geld, die Preise sind entsprechend anzupassen!
 

Bei allen Fahrzeugen ist, trotz Versicherungspflicht, davon auszugehen, dass, wenn überhaupt eine Versicherung besteht, es sich nur um die Mindestsumme handelt. Ich empfehle jedem dringend eine Auslandskranken- und eine Unfallversicherung. Dann kann sich im Schadensfall die Versicherungsgesellschaft mit dem Schädiger bzw. seiner Versicherung herumschlagen. Auf weltweite Geltung der Versicherung achten!
Alle Krankenhäuser, Ärtzte und Apotheken verlangen Barzahlung! Kreditkarten werden von den meisten Apotheken akzeptiert. Informieren Sie sich bei Ihrer Krankenversicherung vor Reisebeginn, was für Unterlagen Sie mit welchen Inhalten zur Geltendmachung Ihrer Ansprüche in Deutschland nach Ihrer Rückkehr vorlegen müssen.
In den Apotheken werden fast alle Medikamente ohne Rezept verkauft, nur was als Rauschmittel verwendet wird ist nach neuer Regelung rezeptpflichtig. Jede Apotheke ist verpflichtet während der Öffnungszeiten einen Apotheker im Laden zu haben, der einem berät. Die Medikamente sind für europäische Verhältnisse spotbillig. Allerdings ist die Beratung mit Vorsicht zu geniesen. Es werden meist die wirksamsten Mittel (z.B. Kortison) empfohlen, Nebenwirkungen ??? -Hauptsache hilft.
 

Die nationale Währung ist der Boliviano (= 100 Centavos) oder kurz Boli oder Bs. Zehn Boli sind etwa ein Euro, ein US-Dollar entspricht derzeit 8,05 Boli (Stand Anfang September 2006). Wenn jemand Peso sagt, meint er oder sie übrigens Boliviano, ist halt Gewohnheit. Man kann auf wenigen sehr grossen Banken oder Wechselstuben auch Euro oder andere europäische Devisen in Boli wechseln. Der angebotene Wechselkurs treibt einem aber die Tränen in die Augen.

Die Preissteigerung ist derzeit sehr moderat. Im Vergleich Juli/August 2001 sind das 1,28% und im Vergleich zum Vorjahr 2,09%.
Bei diesen offiziellen Zahlen scheint mir aber nicht berücksichtigt, dass der normale Bolivianer in Bolivianos bezahlt wird, seine Miete, seinen Kredit u.Ä. aber in Dollar bezahlen muss. Der Wertverlust des Boliviano zum Dollar beläuft sich im Jahr 2003 auf 3% und ist damit gegenüber dem Vorjahr deutlich gefallen.

Die bolivianische Wirtschaft befindet sich momentan in einer schweren Krise, die schon viele Leute den Arbeitsplatz gekostet hat. Der Finanzminister behauptet zwar in einem Interview vom 15. Februar 2003 etwas anderes, aber er ist halt Politiker.

Für den potenziellen Einwanderer bieten sich Chancen auf Erwerb billigen Landes, insbesondere über die großen Banken kann man günstig Ländereien von zahlungsunfähigen Schuldnern erwerben. Geld verdienen kann man damit aber momentan nicht. Die Leute haben kein Geld um einzukaufen. Das führt dazu, dass die Geschäfte allgemein schlecht laufen. Für den Touristen bedeutet das im Hotel und beim Mietwagen kräftig handeln! Wobei das bei den unverschämten Mietwagenpreisen fast nicht möglich ist.

Mit Dollar kann nahezu überall bezahlt werden, Travellerschecks werden nicht von allen Banken, aber einigen wenigen Wechselstuben akzeptiert. Daher unbedingt Dollar in bar und in kleinen! Scheinen mitnehmen. Noten zu 50 $ und 100$, seit neuestem auch "Zwanziger" werden von vielen Geschäften und den Taxis nicht angenommen. Ursache dafür ist die hohe Zahl gefälschter Scheine, die weltweit und damit auch in Bolivien im Umlauf ist.

Die Bargeldversorgung (Bolivianos oder Dollar) ist am Automaten mit Kreditkarte oder Eurocheckkarte (nur mit Mestro Zeichen) und Geheimzahl möglich. Sie müssen ggf. die Automaten verschiedener Institute probieren, nicht alle unterstützen ausländisches Plastikgeld.

Zimmer und Mietwagen werden fast ausschliesslich in Dollar abgerechnet. Die besseren Hotels und Geschäfte nehmen oft auch Visa- und Mastercard. American-Express wird selten und Diners-Club praktisch nicht akzeptiert.
Zimmer werden in den einfacheren Hotels und in allen Herbergen nach benutzen Betten abgerechnet, d.h. Kind im Familienbett kostet nichts, Säugling im eigenen Bett voller Preis. Die Regelungen bitte an der Rezeption erfragen.

In den kleineren Hotels und praktisch allen Herbergen stehen unmittelbar neben der Toilette kleine Mülleimer. Diese sind zur Aufnahme des gebrauchten Toilettenpapiers gedacht. Viele Häuser sind nicht an eine Kanalisation angeschlossen, sondern haben nur eine Grube über die das Abwasser entsorgt wird. Diese Systeme vertragen das Papier nicht. Auf manchen Toiletten findet man auch entsprechende Hinweise.

Vorwiegend in Supermärkten wurde ich desöfteren nach dem Namen oder der RUC (sprich Ruck) gefragt. Mit diesen Angaben wird die Rechnung dann personalisiert. RUC ist die Steuernummer die jeder erwerbstätige Bolivianer hat.

Den internationalen Führerschein muß man durch den bolivianischen Automobilclub beglaubigen lassen. Dies ist gebührenfrei. Die Eintragung dauert ca. 30 Minuten.

Informationen zu Telefon, Handy und Internet gibt es auf einer eigenen Seite.

Das Visa wird bei der Einreise in der Regel für 30 Tage ausgestellt. Auf Verlangen und wenn der Einreisebeamte gerade Lust hat, seinen Stempel umzustellen, auch für 90 Tage. Ansonsten ist man gezwungen bei der Migracion (Ausländer- und Passamt) eine Permanencia für 90 Tage zu beantragen, falls der Aufenthalt länger dauert. Dazu wird eine Fotokopie des Reisepasses (Seite mit den Angaben zur Person und Seite mit dem Visum) gebraucht, sowie der Ausreiseabschnitt aus dem Visaantrag (Einreisekarte). Dies ist gebührenfrei -meistens- und dauert etwa 2 Stunden.

Fahren per Anhalter ist hier in der europäischen Form unbekannt. Wer billig reisen möchte, kann sich an einen der LKW-Fahrer wenden. Der nimmt einem sehr oft auf der Ladefläche mit, aber nicht umsonst. Ein bis fünf Boliviano, je nach Fahrtstrecke sind fällig.

Kostenfrei Dienstleistungen gibt es praktisch keine in Bolivien. Von z.B. dem einen Boli, den die Werkstatt für Luftdruck prüfen und auffüllen verlangt, bezahlt die Werkstatt ihren Kompressor.

In der Provinz Sta. Cruz sind einige Fälle von Gelbfieber und Dengue-Fieber aufgetreten. Eine Impfung gegen Gelbfieber muß (gesetzlicher Zwang nur bei Einreise aus Gelbfiebergebieten) bei Reisen ins Tiefland unbedingt vorhanden sein und der Impfausweis mit der Bestätigung sollte mitgeführt werden. Einige der angrenzenden Länder verlangen den Impfnachweis bei der Einreise. Kontrolliert wird dies z. B. schon von den Fluggesellschaften bei der Ausreise aus Bolivien. Personen die die Impfung nicht nachweisen können, kommen nicht ins Flugzeug. Wer in Sao Paulo oder Buenos Aires nur umsteigt, braucht den Nachweis nur, wenn er kein durchgehendes Ticket hat, oder den Transitteil des Flughafens verlassen will.

Weitere meist aktuelle und deutschsprachige Informationen findet man auf den Seiten der bolivianischen Botschaft in Deutschland.
 
 

Stand 07.09.2006